Dieses Thema – ist schließlich nicht das erste Mal, dass Drogen hier als Grundbedürfnis proklamiert werden – scheint einigen echt zu gefallen. Aber ich mach mir dann mal die Freude, das ins rechte Licht zu rücken. Als erstes klammere ich an dieser Stelle aber Alkohol und Tabak aus. Zu diesen beiden Substanzen später. Zunächst also zu dem, was auch heute wirklich als Droge verstanden wird – sprich Substanzen, die nicht nur eine berauschende, sondern eine halluzinogene Wirkung haben.
Halluzinogene Substanzen werden seit Menschengedenken genutzt: Ja! So wurden bewusstseinserweiternde Substanzen schon vor ungefähr 3500 Jahren in Europa für Weihriten genutzt. Kann man daraus ableiten, dass es sich um ein Urbedürfnis handelt? Überhaupt nicht.
Die Shamanen und Geisterbeschwörer, die es in vielen Kulturen gab / gibt, haben / hatten eine absolute Sonderrolle in ihrer Gesellschaft und stellen in der Regel die einzigen Personen ihrer Gesellschaft dar, die diese Substanzen nutzen. Die breite Bevölkerung (und mit breit meine ich hier nicht zugeknallt) jedoch konsumierte beileibe keine Drogen. Allenfalls zu ganz bestimmten feierlichen Anlässen kam es in einigen wenigen Kulturen dazu, dass auch andere Teile der Bevölkerung, also nicht nur die Shamanen, solche Substanzen konsumierten. Dies war jedoch die Ausnahme sowohl, was die Grosszahl der verschiedenen Kulturen angeht, als auch was die Häufigkeit eines solchen Konsums in den wenigen Kulturen angeht, in denen ein solcher Gesellschaftskonsum überhaupt stattfand. Man kann also in keiner Weise behaupten, dass dieser urzeitliche Konsum von halluzinogenen Substanzen ein Urbedürfnis des Menschen war. Drogen wurden von einigen, wenigen Personen – die den Umgang mit diesen Substanzen in der Regel von Kindesbeinen an erlernt hatten – dazu genutzt, ihrer Rolle in ihrer Gesellschaft gerecht zu werden.
Eine andere Art des Konsums bestand und besteht in der Medizin. So wurden und werden noch heute in Südamerika in den Anden die Blätter der Coca-Pfanze gekaut. Dies geschieht jedoch schlicht, um die Höhenkrankheit zu lindern, die in den Anden sonst große Teile des gesellschaftlichen Austausches lahm legen würde. Habe das selbst vor Ort getestet und es hilft wirklich. Man kann aber hierbei kaum von halluzinogener Wirkung sprechen, da das Kauen von Coca Blättern in der Wirkung in etwa auf dem Level von einem guten Whiskey liegt. Aber auch diverse andere Substanzen wurden und werden aus medizinischen Gründen konsumiert. Auch hier kann man jedoch in keinster Weise von einem Urbedürfnis sprechen. Vielmehr hat der Mensch es geschafft, sich diese Stoffe zu nutze zu machen, um gesundheitliche Übel zu bekämpfen. Übrigens waren es in der Regel wieder die Shamanen und Geisterbeschwörer, die durch ihren Umgang mit diesen Substanzen, die heilenden Wirkungen erkannten und diese dann umsetzten, wenn man sie um Hilfe bat. Nicht umsonst wurde der Shamane in diversen Kulturen auch Medizinmann genannt.
Man kann also erkennen, dass aus historischer Sicht Drogen zwar schon immer bekannt waren. Genutzt wurden diese jedoch ausschließlich von Sonderpersonen ihrer Gesellschaft und zur Heilung von gesundheitlichen Leiden. So ist den Menschen die euphorisierende Wirkung der Mohnblume bereits seit über 6000 Jahren bekannt und die Wirkung verschiedener Rauschmittel wurde beispielsweise im antiken Ägypten systematisch erforscht. Interessanter Weise wurden derlei Substanzen auch schon frûhzeitig dazu genutzt, um die eigenen Soldaten furchtlos in Schlachten ziehen zu lassen, vor denen sie sonst womöglich schreiend weggerannt wären.
Man kann also ohne größere Probleme feststellen, dass Substanzen mit halluzinogener Wirkung schon „ewig“ bekannt waren und auch genutzt wurden – jedoch nicht als Urbedürfnis zu betrachten sind. Anders sieht dies bei auch heute "gesellschaftsfähigen" Drogen wie Alkohol und Tabak aus, die sich auch in der menschlichen Geschichte in vielen Kulturen bereits frühzeitig breit gemacht haben. So gibt es indianische Stämme, wo Tabakrauchen „eben einfach dazu gehört“ und Alkohol… naja … brauch ich wohl kein Bild von wilden Wikingern mit dem Met-Becher in der Hand zu malen, um klar zu stellen, dass es sich dabei nicht um einen Ausnahmekonsum handelte. Allerdings gab es dabei eine Art Selbstreglementierung, da auch in diesen Kulturen beispielsweise der Konsum von Alkohol – der doch deutlich mehr beeinträchtigt, als das Rauchen von Tabak – nicht täglich stattfand und außerdem jeder wesentlich selbstverantwortlicher war, als dies heute der Fall ist. Sprich jemand der Laufend soff, verhungerte dann eben im Winter. Bitter aber wahr. HInzukam auch die Tatsache, dass moderne Konservierungsstoffe nicht bekannt waren und z.b. Met in der Folge nicht das ganze Jahr über zur Verfügung stand.
Diese Substanzen sind aber wie gesagt auszuklammern, da es sich zwar um berauschende nicht aber halluzinogene Substanzen handelt. Man kann also unter Umständen die Behauptung aufstellen, dass ein Rausch wie von Alkohol oder Tabak durchaus zum gesellschaftlichen Normal der menschlichen Geschichte gehört – aber dies kann in keinster Weise auf halluzinogene Substanzen übertragen werden, wie es einige hier nur zu gerne tun würden. Auch bedeutet die Tatsache, dass diese Substanzen zum "Normal der menschlichen Geschichte" gehören beileibe nicht, dass es sich um ein Grundbedürfnis handelt - sprich wie es hier dargestellt wird ein in der Natur liegendes Bedürfnis. Es handelt sich dabei vielmehr um einen kulturhistorisch angewöhnten Konsum.
P.S. Die Idee von Jesus, der 40 Tage auf Paote durch die Wüste eiert find ich trotzdem amüsant
